Entlang der Hauptwasserscheide durch die Südmeseta / La Mancha

Zwischen den Gebirgssystemen der Betischen Kordilleren im Süden und des Sistema Ibérico (Iberisches Gebirge) im Norden breitet sich die kastilische Hochebene (Meseta) aus. Die Europäsiche Hauptwasserscheide durchquert diese in ihrem südlichen Teil, dem dank Cervantes' Romanfigur des Don Quijote bekannten Gebiet La Mancha. Sie trennt hier die Einzugsgebiete der zum Atlantik entwässernden Flüsse Guadiana und Tajo einerseits von jenem des Júcar andererseits, der zum Mittelmeer strömt.

Von der zu den Prebetischen Kordilleren gehörenden Sierra de Alcaraz kommend, tritt die EHWS beim Städtchen Alcaraz in die Mancha ein, zieht sich von einigen kleineren Ausschweifungen abgesehen in nördlicher Richtung durch die Ebene, streift zuletzt die Hügellandschaft Alcarria und stösst nordwestlich von Cuenca an den Südfuss der Serranía de Cuenca, die zum Sistema Ibérico zählt.

 


La Mancha
Abschnitt Wasserscheide EHWS, Abschnitt La Mancha
Länge / Dauer 353 km / 13 Tage
Durchgeführt 26. Oktober - 1. November 2023 und 20. - 25. März 2024
Höchster Punkt 1'175 m: Alto de la Fuende Berenguer
Tiefster Punkt 709 m: Estación de Minaya
Start Alcaraz
Ende Chillarón de Cuenca
Fernwanderwege Teile von Ruta de Don Quijote und GR 163 Ruta del Cristal de Hispania
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Die Wanderung folgt der Linie der Wasserscheide zunächst in grosser Nähe; in der zweiten Hälfte weicht sie aus übernachtungstechnischen Gründen jedoch vorübergehend etwas nach Westen, das heisst auf die Atlantik-Seite aus. Der gesamte Abschnitt liegt in der Autonomen Region Castilla-La Mancha und durchzieht Teile der Provinzen Albacete und Cuenca.

Ich habe den Abschnitt in zwei Staffeln im Oktober 2023 und im März 2024 erwandert und dabei in 13 Tagesetappen rund 353 Kilometer zurückgelegt. Auf vier der März-Etappen wurde ich von meinem Freund Binu begleitet. Die Anreise erfolgte zu beiden Staffeln per Flug nach Madrid und dann im ersten Fall per Hochgeschwindigkeitszug AVE nach Albacete und weiter per Bus nach Alcaraz und im zweiten Fall per Taxi nach Castillo de Garcimuñoz. Die beiden Rückflüge ab Madrid erreichte ich im Oktober 2023 via Taxi von La Almarcha nach Cuenca und und von dort per Mietauto und im März 2024 per Hochgeschwindigkeitszug AVE ab Cuenca.

 

Etappierung

Unten siehst du, wie ich die Strecke in Etappen unterteilt habe.

Etappe 1 (26. Oktober 2023) Alcaraz - El Bonillo
40,7 km / 10h15'
Etappe 2 (27. Oktober 2023) El Bonillo - Munera
20,4 km / 5h05'
Etappe 3 (28. Oktober 2023) Munera - Minaya
35,2 km / 8h30'
Etappe 4 (29. Oktober 2023) Minaya - Moragona 23,5 km / 5h55'
Etappe 5 (30. Oktober 2023) Moragona - Alarcón 33,1 km / 8h30'
Etappe 6 (31. Oktober 2023) Alarcón - Honrubia 29,2 km / 7h25'
Etappe 7 (1. November 2023) Honrubio - La Almarcha 17,2 km / 4h15'
Etappe 8 (20. März 2024) La Sima (Castillo de Garcimuñoz) - Villar de Cañas
27 km / 6h45'
Etappe 9 (21. März 2024) Villar de Cañas - Villas Viejas
28,1 km / 7h05'
Etappe 10 (22. März 2024) Villas Viejas - Carrascosa del Campo 21,4 km / 5h30'
Etappe 11 (23. März 2024) Carrascosa del Campo - Caracenilla 23 km / 6h
Etappe 12 (24. März 2024) Caracenilla - Casita de Cabrejas (Jábaga) 29,5 km / 7h40'
Etappe 13 (25. März 2024) Casita de Cabrejas (Jábaga) - Chillarón de Cuenca 25 km / 6h20'

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Tagesberichte

Wie es mir beim Wandern ergangen ist, kannst du in meinem Blog nachlesen. Unten gehts direkt zu den entsprechenden Tagesberichten.


Ein Ritter scheut keine Strapazen

EHWS La Mancha, Etappe 1: Alcaraz - El Bonillo

Brunnen bei Hoya de los Peones.
Brunnen bei Hoya de los Peones.

Mein erster Tag in der Heimat des Don Quijote begann in der Dämmerung bei Nebel und Sprühregen und endete ebenso. Hauptereignis war aber ein ausserplanmässiger vierstündiger Strassenmarsch, der nötig wurde, weil ich am Wanderziel kein Transportmittel auftreiben konnte, das mich zu meiner Unterkunft gebracht hätte. Bei Ankunft konnte ich vor Erschöpfung nicht einmal mehr essen. Dabei hätte ich gewarnt sein müssen, preist sich doch die Region – in Anspielung auf ihren berühmtesten Ritter – auch schon mal als «Ort für Abenteuer» an.

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Brachland im Zwielicht

EHWS La Mancha, Etappe 2: El Bonillo - Munera

Irgendwo auf dem Weg nach Munera.
Irgendwo auf dem Weg nach Munera.

Die Wasserscheide war immer nah oder sogar unter meinen Füssen – aber weder war von ihr etwas zu sehen, noch gab es etwas zu scheiden. Wasser blieb, sofern es welches gab, in ein paar Pfützen liegen, oder es verlor sich in den weiten Ebenen wie der Blick über die kargen, von Steinen übersäten Äcker. Über diesen verharrte das kühle Wetter in windiger Schwebe; durch eine kompakte graue Wolkendecke brach sich dann und wann ein Sonnenstrahl Bahn und liess für einen kurzen Moment ein Stück Brachland oder eine Windturbine aufleuchten.

 

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Luftige Weiten, verlassenes Land

EHWS La Mancha, Etappe 3: Munera - Minaya

Auf dem Weg nach Moharras.
Auf dem Weg nach Moharras.

Auf dem langen flachen Weg nach Minaya gab es nur Land und Himmel. Immer mal wieder Windturbinen, aber keine belebten Dörfer oder Höfe, keine Gaststätten, kaum einmal Tiere (ausser gelegentlichem Hundegebell). Bauten standen leer, waren verlassen oder nur zeitweise bewohnt. Manche waren verfallen, einmal passierte ich ein ganzes Ruinendorf. Die Äcker wurden bewirtschaftet, aber wohl von Leuten, die anderswo lebten. Ich war weitgehend mit mir allein. Sogar die Autos auf der Landstrasse, der ich zwei Stunden lang folgte, waren an den Fingern einer Hand abzuzählen.

 

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Nicht Jakob, nicht Quijote - nur eine Klause auf einem Hügel

EHWS La Mancha, Etappe 4: Minaya - Moragona

Ermita de la Virgen de la Cabeza. Blick über die Mancha nach Norden.
Ermita de la Virgen de la Cabeza. Blick über die Mancha nach Norden.

Ganz falsch sei ich hier, sprach mich ein Bauer aufgeregt an, ich sei ja gar nicht auf dem Jakobsweg! Auf dem wolle ich auch gar nicht gehen, antwortete ich, und nannte ihm mein Tagesziel. Aber das sei doch ganz nah, dahin gebe es einen direkteren Weg! Die Wasserscheide zu erklären, schien mir zu schwierig. Also nannte ich eine Klause, die gemäss meinen Angaben auf der EHWS stehen musste, als Grund für meinen Umweg. Sofort hellte sich die Miene des Bauern auf: Alles klar, das schien mein Vorhaben für ihn zu legitimieren.

 

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Die Drohkulissen verwehten vor der Festungsstadt

EHWS La Mancha, Etappe 5: Moragona - Alarcón

Alarcón.
Alarcón.

Es rauschten der Wind und die in langen Reihen aufgestellten Windturbinen, schwere Wolken lagen über dem Land und verdüsterten es, Schwaden von Sprühregen peitschten das Gesicht. Doch der Donner beschränkte sich auf fernes Grollen, die Regenmenge blieb begrenzt, und der Wind verjagte letztlich die schwarzen Wolken nach anderswo. Sodass mir am Ende des Weges die mittelalterlichen Mauern und Türme von Alarcón im goldenen Licht der Abendsonne entgegenleuchteten – wie es sich für Fotosujets gehörte.

 

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Beruhigende Rauchzeichen über den Äckern

EHWS La Mancha, Etappe 6: Alarcón - Honrubia

Torre de Cañavate über dem Júcar.
Torre de Cañavate über dem Júcar.

Der Tag begann spektakulär mit den schluchtartigen, von Festungstürmen bewachten Flussschlaufen des Júcar. So Aufregendes bot die Landschaft danach nicht mehr. Unter einer monochromen, lichtdurchlässigen Wolkendecke ging ich über das flache Plateau. Meine Unruhe angesichts unmarkierter Wege erwies sich je länger je mehr als unbegündet. Die Windräder standen still; von den Äckern aufsteigende Rauchsäulen zeugten vom Vertrauen der Bauern, ihre Erntereste heute gefahrlos verbrennen zu können.

 

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Im Augenwinkel des Sturms

EHWS La Mancha, Etappe 7: Honrubia - La Almarcha

Bei Torrubio del Castillo, Felder bei El Ranal.
Bei Torrubio del Castillo, Felder bei El Ranal.

Noch war das von den Britischen Inseln heranbrausende Sturmtief «Ciarán» nicht da, aber es kündigte sich an und würde mir fraglos eine Pause aufnötigen. Meine somit vorerst letzte Etappe führte mich durch ausgedehnte Felder, über die mir von ferne ein Osborne-Stier erst entgegen-, dann hinterherlugte. Derweil gewann der Wind zusehends an Kraft, zerzauste die Wolken und erzeugte ein Wechselspiel von Licht, düsteren Schatten und changierenden Erdfarben. Wanderer liess er rasch ermüden.

 

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Dasselbe in Grün

EHWS La Mancha, Etappe 8: La Sima (Castillo de Garcimuñoz) - Villar de Cañas

Blick vom Rücken des Mojón Alto über die Mancha.
Blick vom Rücken des Mojón Alto über die Mancha.

Ein paar Monate später: Ähnliche, langwellig-flache Ackerlandschaft, nur diesmal in helleren Farben: zartes Grün setzt den Grundton unter einem weiten, milchig-blauen Himmel. Auf langen, kurvenarmen Strassen und Feldwegen ziehen wir zu zweit – wie Don Quijote und Sancho Panzo, wenn auch ohne Pferd und Esel – einem fernen, vom Wind diesigen Horizont entgegen. Dass wir keinen Abenteuern begegnen, ist uns (anders als den beiden literarischen Vorreitern) ganz Recht.

 

 

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Mit Rückenwind der römischen Glasindustrie auf der Spur

EHWS La Mancha, Etappe 9: Villar de Cañas - Villas-Viejas

Castillo de Fuentes
Castillo de Fuentes

Direkt nach dem Start stiessen wir auf einen Fernwanderweg, der die Route nachzeichnete, über die in römischer Zeit unter anderem Glaskristalle aus iberischen Bergwerken an die Küste transportiert worden waren. Wir folgten dieser «Route des Glases von Hispanien» in entgegengesetzter Richtung – und hatten das Glück, alsbald auf einen vom Meer kommenden, gleichgesinnten Wind zu treffen, der uns gut zwanzig Kilometer weit durch flaches und nahezu unbesiedeltes Gelände nach Nordwesten trieb.

 

 

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Da war Vorstellungskraft gefragt

EHWS La Mancha, Etappe 10: Villas-Viejas - Carrascosa del Campo

Überleitungskanal  Tajo - Segura
Überleitungskanal Tajo - Segura

Alle Bauten, denen wir begegneten, waren Ruinen und erinnerten an vergangene Wirklichkeiten. Die einzige Ausnahme zog sich wie ein endloser Strich quer durch die weite Landschaft: Der Trasvase Tajo-Segura, ein hier als Aquädukt geführter Kanal über die Wasserscheide hinweg zur Bewässerung des trockenen Südostens. Unsern Weg konnten wir aufgrund umgekippter oder verdrehter Schilder oft nur erahnen. «Imaginételo» – «Stell es dir vor!» lautete der Name unseres Hotels. In der Tat: Das musste man!

 

 

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Ein abgehobener Kräutergarten

EHWS La Mancha, Etappe 11: Carrascosa del Campo - Caracenilla

Auf dem Plateau von Valparaiso.
Auf dem Plateau von Valparaiso.

Der Tag begann mit einem kurzen Aufstieg – dem ersten seit Tagen. Sogleich setzte sich der Weg aber wieder flach fort – einfach eine Etage höher als zuvor. Ein wunderschönes, karges Plateau, das sich im Übergangsgebiet zwischen der Mancha und dem Hügelgebiet der Alcarria erhebt und auf dessen Boden Kleingehölz und würziges Strauchgewächs wucherte. Kräuter dufteten so würzig, dass das Picknick nach Sterneküche schmeckte. Zuletzt stieg man wieder ab und gelangte in ein Tal.

 

 

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Langes Flusstal mit blühendem Ginster und Rosmarin

EHWS La Mancha, Etappe 12: Caracenilla - Casita de Cabrejas (Jábaga)

Im Tal von Valdecolmenas.
Im Tal von Valdecolmenas.

Nochmals ein strahlend sonniger Morgen, aber der langen Strassenwanderung sah ich mit verhaltenem Frohmut entgegen. Durch ein langgezogenes Flusstal führte sie – sanft, aber stetig ansteigend – auf die Cabrejas-Höhen hinauf, wo wieder einmal die Wasserscheide berührt wurde. Zum Glück blieb der Verkehr sonntäglich-spärlich, und streckenweise konnte man auf der andern Talseite wandern und sich an gelbem Ginster und blau blühendem Rosmarin erfreuen. Gegen Abend kündigte zunehmende Bewölkung einen Wetterumschwung an.

 

 

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«Ehrenrunde» bei Regen und Nebel

EHWS La Mancha, Etappe 13: Casita de Cabrejas (Jábaga) - Chillarón de Cuenca

Auf dem Weg nach Fuentesclara
Auf dem Weg nach Fuentesclara

Wettermässig endete die Durchquerung der Meseta so wie sie vor zwölf Tagesetappen begonnen hatte: mit Regen. Anders als damals hielt er heute jedoch den ganzen Tag an. Eigentlich hätte ich mein Ziel in wenigen Stunden erreichen können. Aber der direkte Weg hatte für mich den Makel, dass er der Wasserscheide den Rücken kehrte. Lieber zog ich also in vertretbarem Abstand zur Letzteren in einem weit ausholenden Bogen durch wolkenverhangene Landschaft, über lehmige Böden und zuletzt eine verkehrsreiche Schnellstrasse um das Becken von Chillarón herum.

 

 

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